Projekt "Dräcksou" zum 40-Jahr-Jubiläum
Im Jahr 2016 feiert die Eiche Zunft Hünenberg ihr 40-jähriges Bestehen. Das Jubiläum steht unter dem Gedanken «Fasnacht ist Kultur». Aus diesem Grund entsteht nicht einfach ein Festanlass, sondern ein aussergewöhnliches Kulturprojekt rund um das Eichemärli, den Eichefrässer und die Frage, wie sich Brauchtum in eine neue Zeit übertragen lässt.
Das Projekt erhält den Namen «Dräcksou». Der Begriff stammt aus dem originalen Eichemärli: «En Eichemaa isch de Dräcksou verkoo». Gemeint ist der Eichefrässer, das Hünenberger Fasnachtssymbol der Eiche Zunft.
Grundidee
Die Grundidee zu «Dräcksou» stammt von Michael Werder. Für ihn wird das Projekt zu einer Herzensangelegenheit, weil er mit der Eiche Zunft aufgewachsen ist und als Filmemacher, Kulturschaffender und 1. Zunftmeister die Welten von Fasnacht, Film und Kultur miteinander verbinden möchte.
Im Zentrum steht die Frage, ob der Eichefrässer wirklich nur der Bösewicht des Märlis ist. Das originale Eichemärli wird adaptiert und zu einem Kurzfilmdrehbuch umgeschrieben. Dabei bleibt die Geschichte in der Eichewelt verwurzelt, wird aber neu gelesen und weiterentwickelt.
Konzerte
Am 12. November 2016 im Saal Heinrich von Hünenberg und am 26. November 2016 in der Chollerhalle Zug finden zwei grosse Konzerte statt. Dabei treffen das Stadtorchester Zug, eine eigens zusammengestellte Guggenmusik und das Eichemärli aufeinander. Mehr als 90 Musikerinnen und Musiker spielen im Orchester.
Die Konzerte sind keine Filmvorführungen im klassischen Sinn. Statt fertiger Filmsequenzen werden Texteinblendungen und visuelle Elemente verwendet. Das Publikum ist dadurch nicht beim fertigen Film, sondern bei dessen Entstehung dabei. Die Musik wird live aufgeführt und an den Konzerten als Filmmusik aufgenommen. Musik
Die Musik wird von Silvan Gretener komponiert. Er entwickelt das Musikkonzept und setzt sich dafür vertieft mit der Geschichte der Fasnachtsmusik und der klassischen Musik auseinander. Seine Aufgabe besteht darin, Guggenmusik und
Symphonieorchester nicht nebeneinanderzustellen, sondern musikalisch miteinander zu verbinden.
Neben eigens komponierter Filmmusik werden auch bekannte klassische Werke und typische Guggenstücke bearbeitet. Die Arrangements stammen unter anderem von Rafael Jerjen und Silvan Gretener.
Orchester und Guggenmusik
Das Stadtorchester Zug bildet den klassischen musikalischen Teil des Projekts. Ergänzt wird es durch eine Ad-hoc-Guggenmusik mit Mitgliedern der Quaker Hünenberg, Cocorico Hünenberg und Baarburggeischter Baar. Die Leitung dieser Guggenformation übernimmt Michael Müller.
Gerade diese Verbindung ist ein zentrales Zeichen des Projekts. Fasnachtskultur und klassische Konzertkultur begegnen sich nicht ironisch oder gegeneinander, sondern ernsthaft und auf Augenhöhe.
Gestaltung und Filmteam
Die Figuren und die visuelle Welt des Films werden von Daniel Meier gestaltet. Er wächst in Hünenberg auf, besucht die Schule für Gestaltung in Luzern und übernimmt später die jährliche Gestaltung der Hünenberger Fasnachtsplakette. Für «Dräcksou» entwickelt er die Eichewelt illustrativ weiter.
Zum Kreativteam gehören zudem Claudio Antonelli für Animation und visuelle Effekte, Quinn Reimann als Kameramann und Rolf Lang für den Schnitt. Das Projekt verbindet damit lokale Zunftgeschichte mit professionellem Filmschaffen.
Organisation
Das Projekt wird von einem breiten Organisationskomitee getragen. Im Programmheft werden unter anderem aufgeführt:
- Christoph Balmer und Philipp Grepper als Co-Präsidenten
- Franco Geiser für Guggen und Bar
- Silvan Gretener für das Musikkonzept,
- Gregor Hotz für Logistik und Orchester
- Cornelia Püntener als Kassierin
- Martin Spillmann für das Sponsoring
- Monique Vogel für Spezialaufgaben
- Michael Werder für Werbung und Medien
Damit ist «Dräcksou» kein Einzelprojekt, sondern ein grosses Gemeinschaftswerk der Eiche Zunft und vieler Menschen aus dem Zuger Kultur- und Fasnachtsumfeld.
Dokumentarfilm
Die Entstehung von «Dräcksou» wird von Beginn an filmisch begleitet. Daraus entsteht der rund 90-minütige Dokumentarfilm «Die Drecksau und die Kultur», der von Michael Werder realisiert wird.
Der Film dokumentiert die Entstehungsgeschichte, die Proben, die Zusammenarbeit zwischen Orchester und Guggenmusik sowie die kulturelle Idee hinter dem Projekt. Der Dokumentarfilm wird zweimal im ausverkauften Kino Seehof in Zug gezeigt. Damit erhält nicht nur das Konzertprojekt, sondern auch dessen Entstehung eine eigene Öffentlichkeit.
Filmfinanzierung
Nach den Konzerten geht das Projekt in die Filmfinanzierung. Vorgesehen ist ein professioneller Kurzfilm auf der Grundlage des adaptierten Eichemärlis. Die Finanzierungsstrategie sieht kantonale Förderstellen, das Bundesamt für Kultur, Stiftungen und eine Koproduktion mit dem Schweizer Fernsehen vor. Tatsächlich steigt später auch das Schweizer Fernsehen als Koproduzentin ein. Am Ende fehlt jedoch ein kleiner Teil der Finanzierung, weshalb der Film bis heute nicht fertiggestellt werden kann.
Das Projekt bleibt unvollendet, gilt innerhalb der Eiche Zunft jedoch bis heute nicht als abgeschlossen. Für Michael Werder und sein Team bleibt «Dräcksou» ein Herzensprojekt. Der Film soll eines Tages fertiggestellt werden.
Bedeutung
«Dräcksou» ist eines der ambitioniertesten Projekte in der Geschichte der Eiche Zunft. Es verbindet das Eichemärli von Hedwig Bolliger, die Gestaltungstradition von Werner Hofmann, die Figurenwelt der Zunft, klassische Musik, Guggenmusik, Film und Dokumentation zu einem grossen kulturellen Gesamtprojekt.
Das Projekt zeigt, dass Brauchtum nicht nur bewahrt, sondern auch neu erzählt werden kann. Es macht sichtbar, dass Fasnacht Kultur ist. Nicht als Behauptung, sondern als Erlebnis.
Für das 40-jährige Jubiläum der Eiche Zunft wird «Dräcksou» damit zu einem starken Zeichen. Die Zunft kennt ihre Wurzeln, bleibt aber lebendig, wenn sie den Mut hat, ihre Geschichten immer wieder neu zu erzählen.
Diese Seite wurde zuletzt am 6. Juni 2026 geändert.