Eichemärli

Aus Eichepedia

Als erster Zeremonienmeister der noch jungen Eichezunft wirkt Bruno Weibel. Er ist damals Lehrer im Schulhaus Matten. Seine Kollegin auf der Unterstufe ist Hedwig Bolliger, eine begnadete Jugendschriftstellerin. Bruno Weibel überzeugt sie, dass die Zunft ein eigenes Zunftmärchen braucht. Es soll jeweils bei den Besuchen des Zunftvaters in den Kindergärten erzählt werden.

Bolliger
Hedwig Bolliger

Da Hedwig Bolliger über eine blühende Fantasie und ein ausserordentliches erzählerisches Geschick verfügt, entsteht eine Geschichte mit den zentralen Elementen Fährimaa, Einhörner und Eichewald. Stets an den Kindergartenbesuchen lässt das Zunftmärchen die Kinderherzen höherschlagen, wenn Zunftmutter und Zunftvater zu erzählen beginnen. So kommt es, dass jedes Hünenberger Kind die Geschichte der Einhörner, der Dräcksou und des Eichevolks kennt.

Mittlerweile ist das Märchen etwas moderner, kindgerechter und kürzer geworden. Nachfolgend ist die Originalgeschichte von Hedwig Bolliger nachzulesen:

Eichemärli

Wo de Liebgott d Tier erschaffe hed, do hed er si nid nur mit schöne Fähli, Fädere oder Schuppe uusgstattet, nei au mit passende Waffe, dass si sich allfälligi Find chönid vom Lyb Halte: mit Hörnere und Chlaue, mit Zände und Stachle. Zletzscht sind em grad no zweu langi, bolzgradi Hörner vorig plibe, und er hed gmeint, die bruuchi er nümme.

Einhörner

Aber woner si scho hed welle versorge, sind undereinisch zweu prächtigi, schneewyssi Tier vorem gstande. Si händ echli uusgseh wie Ross, aber es sind allwäg doch e keini gsy, susch hättids amel gwüss nid gseid, si heigid welli iri Hörner cho hole. «Hörner?». De Liebgott hed si gross aagluegt. «Für was bruuchid jetz ihr Hörner? Überhaupt, ich ha nur no zweu, de chäm jo doch eis vo eu z churz» - «o gar nid!» händ die wysse Tier früntlich gseid. «De teilid mir eifach. Als Zwilling sind mir das gwönt. Eis Horn für jedes, das langet scho, mir sind wohl zfride.»

Das hed im Liebgott eso gfalle, dass er die beide Hörner nochli länger und spitziger uuszoge hed, bevor er jedem Zwilling eis zmitzt auf d Stirne gsetzt hed. «Eihorn, so isch jetz eue Name», heder gseid. «Gönd, machid öppis Guets druus!»

Me hed noheer uf der Erde vo dene beide schöne Tiere fryli nid grad vil z gseh überchoo. Si sind halt am liebschte i einsame Gägete umegstreift. Aber wer ene verkoo isch, de hed nüd Böses vonene z gwärtige gha, amel wener nid sälber eso öppis im Schild gführt hed. Und immer sinds zäme gsy. Keis hätt öppis oni s andere undernoh. Alles händs teilt, Freud und Leid.

Underdesse sind d Mänsche immer zahlrycher worde und händ drum aagfange, Gmeinde und Statte z bilde. Doo defür händs Wappe pruucht, und es wunderet eim nid, dass mängs Volk es Tier i sys Wappe gsetzt hed. Die meischte Mänsche händs jo prima verstande, us de Tiere ire Nutze z zieh und si sich einersyts zu Fründe, andersyts dienschtbar z mache. Nocheme Wappetier hed au es Völkli gsuecht, wo zwüsche See und Flusslauf gwont und deete brav puuret hed.

Eichelüüt

«Eichelüüt», eso hed mer ne gseid, aber es isch nid ganz sicher, worum. Vilicht isch dee Name uufchoo, will i säbere Zyt no grossi Eichewaldige zu irer Gmeind ghört händ. Vilicht isches aber au gsy, will sich alli gern grüen aagleid händ, und das hed zu irne bruune Gsichtere eso guet passt, dass sie sälber echli wie Eiche uusgseh händ, die Eichemanne, Eichefraue und Eichechind.

Wie gseid, au d Eichelüüt händ für iri Gmeind es Wappeschild welle, und es Tier wärene drin grad rächt gsy. Aber was für eis? Es müess de scho öppis Apartigs sy, hed überall gheisse. Nüd, wo scho di andere heigid. Es isch mänge Vorschläg gfalle, aber es hed neume keine rächt passet. Adler und Steiböck ghörid ehnder zmene Bergvolk, händ d Eichelüüt mit Rächt gfunde, und e Leu us de Wüeschti wär i irem Wappe inne au fehl am Platz. E Bär hätt scho di besser Gattig gmacht: Das Tier hed Chraft, deby aber doch au öppis Gmüetlichs. Jo, e Bär passeti nid schlächt zu eus, händ d Eichelüüt gfunde. Wo si de aber vernoh händ, iri nöchschte Nochbere heigid e Bär als Wappetier uusgläse, sinds devo abchoo und hände de halt wider wyter gwerweiset.

Sau

Es sind sich es paar Tier cho vorstelle und hättid dee Poschte im Wappe gern übernoh: e stramme Muni, es paar liebi Schööfli und en übermüetigi Geiss. Aber es hätt halt ebe, wie gseid, selle öppis Apartigs sy. Jetzt stellid eu aber vor, wer amene schöne Tag vortrabet isch und ums Verrode is Wappe hed welle: e Sou, e feissi, gruusigi Sou! Me hed nid gwüsst, isches e Wildsou oder isch si imene Puur vertrunne und i de Freiheit verwilderet.

Uf all Fäll hed si grüüsli drygseh: Iri tick Schwarte mit de lange Borschte isch über und über verdräcket gsy; d Ohre sind eso struppig gsy wie Pfanneribel, und de Schwanz hed imene Abtrittbäseli ggliche. Und die hed gmeint, si paassi is Wappe vo de Eichelüüte! Si wird halt tänkt haa, doo chöm si de amel sicher gnueg Eichle z frässe über, und die sindere halt s allerliebscht Fuetter.

Aber woll, i dere Sou händ d Eichelüüt de Marsch ploose! «Mach, dass d furtchunsch, du Grüsel!» heds gheisse. «Mir würdid jo s Gspött vo allne Lüüte, wemmer dich is Wappe tätid. Und zeig di nümme bi eus, hesch ghört! Susch chasch de öppis erläbe!». Do het die Sou mit Grunze und Gstank müsse abzottle, und wil si gägem See zue isch, so hed mer gmeint, jetzt seig mer si los. Das durtribe Tier hed aber nur derglyche too und isch noheer ufemene wyte Umwäg i Rüüssspitz abe gschliche. Dett hed es sich verschloffe und hed drüber noostudiert, wie es sich a de Eichelüüte chönnt räche.

Es Wappetier hed das Völkli zwüsche See und Fluss glich no überchoo – oder eigetli grad zweu. I säbere Zyt sind nämli ufem Hubel obe die beide Eihörner gsichtet worde, und alli Eichelüüt händ gfunde, das wär jetzt amel sicher öppis, wo nid scho all andere Lüüt im Wappe heigid. Die zweu schöne Tier sind yverstande gsy. «Aber uf all Fäll säb zweute!» isch iri einzig Bedingig gsy. «Mir sind gwönt, zämezhaa und alles zteile. Wo dem lömer is nid abbringe.»

I de Eichelüüte isch das meh as rächt gsy. Au sy händ jo underenand s Zämehaa und s Teile im Bruuch gha und sind immer guet dermit gfahre. Eso sind die zweu apartige Tier i ihres Wappe choo, und gly einisch hed mer si zäntumme chönne gseh: uf Pergamänt gmoolet, uf Bannersyde gstickt und i Eicheholz gschnitzt. D Eichelüüt händ sich schüüli gmeint mit erne schneewysse Wappetiere.

Aber underdesse hed im Rüüssspitz unde di furtgjagt Sou e böse Racheplan uusprüetet. Schlau gnueg isch si gsy, zum wüsse, wo si d Eichelüüt am emfpindlichschte chönn träffe. Gly emol hed bald dee, bald diese Puur müesse merke, dass em znacht öpper im früsch aapflanzete Acher oder Garte umegstampfet isch und di jung Saat vertüüflet hed. No ärger isches im Eichewald zueggange. Di schönschte Bäum händ aagfange särble, will ene öpper d Wurzle usegnüehlet, d Rinde abkratzet und die undere Äscht abgrisse hed. I de Jungpflanze isches um keis Hoor besser ggange. Me hed si lang chönne yhage, das hed gar nüd gnützt. De Hag isch abegrisse worde, di junge Stämmli knickt und verstampfet , und deet, wo d Bäumli scho echli stärcher gsy sind, ischene s Laub mit Stumpf und Steel abgfrässe worde.

S Ärgscht a dere böse Sach isch aber gsy, dass niemert gwüsst hed, wer as doo bosget und gschändet. Bi de Eichelüüte hed eine der ander verdächtiget. Es hed Stryt under Nochbere ggeh, böses Blued und bösi Wort, Verlüümdig und Prozäss. De Fride i de Gmeind isch nur no amene Fädeli ghanget, und das isch jo vil schlimmer als e vertüüflete Wald.

Gottlob und Dank isch doo emol en Eichemaa, wo bsonders spoot vo de Wirtschaft heiggange isch, i dere Dräcksou verkoo und hed gmerkt, was doo gspilt wird. Jetzt isch i allne es Liecht uufggange. Sämtlichi Spure hend bestätiget, wer dee Eichefrässer isch, und – wider ganz und gar einig – hed mer uf ne Jagd gmacht. Aber das isch gly gseid! Die tussigs Sou isch schlauer gsy as e Fuchs und hed sich nid lo werwütsche. Förschter und Wilhüeter, Puure und Jäger händere lang all Oobig chönne abpasse, gseh hed sie niemer, aber morndess isch sicher wider imene andere Zipfel vo dere wytläufige Gmeind öppis kabuttgmacht gsy. Die ploogete Eichlüüt händ sich nümme gwüsst z hälfe. Si händ Falle grichte und Schlinge gleid, aber dee durtribe Eichfrässer hed ene nid de Gfalle too, dass er dryggange wär.

sau

Wer weiss, vilicht tät dee himeltruurig Zuestand hüt no aatuure, wenn nid öpper ander yggriffe hätt: di beide Eihörner usem Wappe vo de Eichelüüte. Jä, me muess halt nid meine, die seigid immer ganz brav, Rugge a Rugge, i rem blaue Wappefäld inne gsässe! I schöne Vollmondnächte heds öppe chönne vorchoo, dass si hübscheli us irem Rahme gstige und im Land umegstreift sind. Und bimene settige Galopp dur Wald und Au händ die zweu gschyde Tier de Eichfrässer uufgstöberet. Und bimene settige Galopp dur Wald und Au händ die zweu gschyde Tier de Eichefrässer uufgstöberet. Mit irne bolzgrade, spitzige Hörnere händs dee Uflood eso id Angscht gjagt, dass er – was gisch was hesch – devo gsatzet isch, schön deet dure, wo si ne händ welle haa, graduus id Falle vo de Eichelüüte.

verbrennung

Deet hände am Morge es paar Manne gfunde und mit Halloo und Juhui gfesslet. Er isch vors Gricht vo de Eichelüüte gstellt worde. Deet händs em alli syni Übeltate süüberli abegläse und er isch, wies i säbere Zyt de Bruuch hed welle, zum Tod verurteilt worde. I de ganze Gmeind händs alles gschändet Eicheholz, die abgrissene Äscht und di knickte Stämmli, zumene wältshöche Huufe zämetreid. Deet druffe hed de Eichefrässer syni Schandtate mitem Flammetod müesse zahle, und s ganz Eichevolk isch i syne grüene Chleidere drumume tanzet, d Eichmanne, d Eichfraue und natürli au d Eichechind.

Di beide Eihörner nid! Die sind jetzt wider ganz brav und müxlistill im blaue Wappefäld inne gsässe und händ nüd derglyche too, dass sy de Eichfrässer podiget heigid. Woll, öppis händs glych gmacht: Wie Luusbuebe händ beidi iri spitzig rot Zunge usegstreckt, so lang as si gsy isch. Si machids hüt no, und sicher gohd das ad Adrässi vom Eichefrässer und vo jedem, wo i de Eichelüüte wett zleidwärche. Gönd, luegid nur sälber, weners öppe nid glaubid!

Diese Seite wurde zuletzt am 6. Juni 2026 geändert.

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