Eichegwändli

Aus Eichepedia

«Wenn man schon Eichezunft heisst, kann man ja schlecht eine Tannennadel als Symbol wählen.» Mit dieser Aussage, veröffentlicht nach der ersten Zunftversammlung vom 11.11.1976 im Rössli zu St. Wolfgang, wurde die Grundidee der Eichezunft auf den Punkt gebracht. Gleichzeitig entstand damit die Grundlage für das Eichegwändli.

Die Farbgebung war schnell definiert: Dunkelgrün wie die Eichenwälder, hellgrün wie Auen und Matten. Das Gewand sollte zum Namen der Eichezunft passen – nicht zierlich, sondern währschaft und bodenständig, ganz im Sinne der «Eichelüüt» aus dem Eichemärli von Hedwig Bolliger.

Entwicklung des Gewandes

Inspiriert von dieser Idee nahm der Zunftrat Kontakt mit Werner Hofmann auf und beauftragte ihn mit dem Entwurf des Zunftgewandes.

Die Umsetzung erwies sich als anspruchsvoll. Besonders die Wahl der Stoffe stellte eine Herausforderung dar. Oft passten entweder die Farben nicht oder das Material war zu wenig robust. Samt und Seide kamen für den Einsatz an der Fasnacht, insbesondere für die Eichefrässerjagd, nicht infrage.

Schliesslich entschied sich die Eichezunft für Jeansstoff, der die nötige Strapazierfähigkeit bot. Da jedoch kein passendes Hellgrün verfügbar war, wurde der Stoff in einer kleinen Färberei eigens eingefärbt. Der dunkelgrüne Baumwollstoff konnte regulär beschafft werden.

Zur Verzierung wurden Eicheln aus gelbem und grünem Filz angebracht. Für den charakteristischen Klang sorgen bis heute die Messingglöggli.

Die ersten Eicheln

Eichle ausstanzen
Eichle ausstanzen.

Für die Herstellung der ersten Eicheln war Werner Gretener verantwortlich. Für den Prototypen, der an der ersten Zunftversammlung von Beda Boos präsentiert wurde, schnitt er rund 360 gelbe Eicheln sowie 360 grüne Hütchen von Hand mit der Nagelschere aus.

Während dieser aufwendigen Arbeit entstand die Idee, ein Stanzwerkzeug einzusetzen. Dieses erleichterte die Produktion der Eicheln später erheblich.

Eichefrau

Eichlefrau
Das Kleid der Eichlefrau,

Die Eichefrau trägt ein hellgrünes Kleid, verziert mit gelbgrünen Eicheln. Die Länge des Kleides ist so gewählt, dass die Schuhe gut zur Geltung kommen. Diese sollen bewusst schlicht und robust sein, etwa braune oder schwarze Schnürschuhe.

Ergänzt wird das Gewand durch:

  • ein dunkelgrünes Cape mit Kapuze und Messingglöggli
  • eine dunkelgrüne Schürze
  • eine dunkelbraune Maske
  • einen Eichenstock oder Schirm

Anstelle einer Handtasche gehört traditionell ein Korb mit Eichenlaub zur Ausstattung.

Eichemaa

Eichlemaa
Das Gwand vom Eichlemaas

Der Eichemaa trägt:

  • hellgrüne Hosen und Jacke mit Eicheln
  • ein dunkelgrünes Cape mit Kapuze und Messingglöggli
  • einen Ledergürtel mit Glöggli

Ergänzt wird das Gewand durch robuste Schuhe, eine Maske und einen Eichenstock. Farbtupfer und Weiterentwicklung

Schon früh brachte Werner Hofmann die Idee ein, das Gewand mit Farbtupfern zu ergänzen, etwa durch rote Halstücher oder farbige Nastücher. Diese sollten dem dominierenden Grün einen fasnächtlichen Akzent verleihen.

Später wurden entsprechende Vorschläge im Zunftrat diskutiert und gutgeheissen. Dabei galt stets der Grundsatz: Bewährtes bewahren, Neues behutsam ergänzen.

Zunftgwand rot
Varianten "Farbig".

So entstanden Varianten in:

  • Grün als klassische Ausführung
  • Schwarz und Rot

Blaue Varianten konnten sich hingegen nie durchsetzen und sind heute selten.

Neue Formen und Kombinationen

Mit der Zeit wurden Anpassungen am Schnitt vorgenommen. Besonders jüngere Mitglieder wünschten sich modernere und besser sitzende Varianten, vor allem beim Frauengewand. Daraus entstanden:

  • kürzere und körperbetontere Varianten für Frauen
  • das sogenannte «Gwändli light» für Innenräume

Beim «Gwändli light» kann das schwere Oberteil mit den Glöggli durch ein leichteres Jäggli ersetzt werden. Darunter wird ein Zunftshirt getragen, was den Tragekomfort deutlich erhöht.

Das «kleine Schwarze»

Zunftgewand schwarz
Zunftgewand schwarz.

Für elegantere Anlässe wie Inthronisationen oder Schnitzelbankauftritte entwickelte sich eine leichtere Alternative zum klassischen Gwändli. Die Eichefrau trägt dabei:

  • ein schwarzes Kleid oder einen Jupe
  • ein grünes Foulard
  • rote Accessoires wie Gürtel, Schuhe oder Tasche

Später wurde zusätzlich ein spezielles Gilet entworfen, das vor allem von ehemaligen Zunftmüttern getragen wird.

Der Eichemaa erscheint in:

  • schwarzem Anzug oder Frack
  • kombiniert mit einem grünen Gilet

Gelbe Variante «Chutteli»

Gwand gelb
Gelbe Variation.

Eine weitere Variante war das gelbe «Chutteli» mit Kapuze, kombiniert mit schwarzer Hose, Halstuch und Gürtel. Dieses Gewand wurde vor allem von der Eichefrässercrew getragen, konnte sich jedoch langfristig nicht durchsetzen.

Eichechäppi

Ergänzend zum Gewand wurde das gestrickte Eichechäppi eingeführt. Pia Käppeli fertigte zunächst grüne Chäppis mit goldenen Eicheln für den Zunftrat an. Der Zunftmeister war durch grössere Eicheln erkennbar. Später konnten auch Zunftmitglieder Chäppis erwerben, jedoch mit gelben statt goldenen Eicheln.

In späteren Jahren unterschieden sich die Varianten wie folgt: • Zunftrat: schwarz mit goldenen Eicheln • Zunftvolk: grün mit gelben Eicheln Heute sind die Chäppis selten geworden.

Zylinder

Ehemalige Zunftpaare wünschten sich eine besondere Kopfbedeckung als Zeichen ihrer früheren Rolle. Erneut wurde Werner Hofmann mit der Gestaltung beauftragt.Seine Entwürfe reichten von Dreispitzhüten über Jakobinermützen bis hin zu fantasievollen Varianten mit Glöggli. Schliesslich setzte sich jedoch eine klare Meinung durch: Josef I. bestand auf einem klassischen Zylinder.

Nach längerer Diskussion entstand zunächst ein grüner, später ein schwarzer Zunftzylinder. Dieser ist mit einem grünen Band und künstlichem Eichenlaub verziert. Die Zunftmeister tragen den Zylinder bis heute mit Stolz. Besonders am Zunftvateressen zeigt sich dies eindrücklich, wenn die abgelegten Hüte an die Garderobe des Bundeshauses beim Neujahrsempfang erinnern.

Diese Seite wurde zuletzt am 6. Juni 2026 geändert.

Eichegwändli