Marronimaa


Die Figur des Marronimaa ist das Kind zweier festerprobter, von langen Nächten geeichten Zunftratsmitgliedern. Nicht zum ersten Mal stossen Romeo Barbara und Albert Stillhart im Jahre 1983, gewissermassen als letzte Mohikaner eines Gartenfests im Dersbachquartier, in den frühen Morgenstunden auf alles an, was ihnen lieb und recht ist. Viel Sinniges und Unsinniges durchkreuzen ihre Gedankengänge, bis auch die löbliche Eichezunft Gegenstand der tiefgehenden Gespräche ist. Bald einmal steht die Frage im Raum, wie das Fasnachtstreiben in Hünenberg noch attraktiver gestaltet werden kann.
Irgendwann kommt dem damaligen Zweiten Zunftmeister Romeo das Wort „Marroni“ über die Lippen und die beiden sind sich schnell einig: Das kulinarische Angebot der Zunft soll neben Eich(l)esuppe und Eichekaffi erweitert werden. Die glorreiche Idee lässt Albert Stillhart nicht mehr los und so wird er zum ersten Marronimaa.

Vom Fass zur Marronipfanne
Albert Stillhart, als Mann der Tat bekannt, baut kurzerhand eine eigene Marronipfanne. Als Grundelement dient ein altes Fass. Am Vormittag der Inthronisation 1985 bietet das entsprechend verkleidete Zunftratsmitglied Albert die ersten gebratenen Zunft-Marroni an.
Fortan brät der Marronimaa seine köstlichen Früchte des Südens am «Sau auf» am Inthronisationstag, an Umzügen in Cham und bei den Letzibuzäli in Zug. Vor und während dem Umzug der Eichezunft in Hünenberg am Fasnachtsdienstag steht er jeweils bei der alten Raiffeisenbank in Hünenberg.

Die Idee findet Anklang. Ganz zufrieden ist der Marronimaa mit seiner Konstruktion jedoch nicht. Zu viel Wärme entweicht dem Bratofen, weshalb der ideenreiche Oberbastler sich auf die Suche nach einem echten, kupfernen und befeuerbaren Waschhafen macht. Einige Jahre später wird er beim Kupferschmied Winkler in Baar fündig.

Statt Wäsche Marroni
Dank einer grosszügigen Spende von Hans Hans III.Ziltener und Fredi Widmer (genannt „Chläber-Fredi“) entsteht aus einem alten Waschhafen eine neue Marronipfanne. Albert Stillhart konstruiert einen passenden Brateinsatz und präsentiert das neue Gerät anlässlich der Inthronisation 1992 stolz und in theatralischer Form der Zunft. Auch die Zunft selbst würdigt das neue Objekt der zünfterischen Fahrhabe und macht es zum Sujet der Zunftplakette 1991.
In den ersten Jahren bezieht Albert Stillhart die Marroni beim Milchprodukteunternehmen Emmi, das damals noch Früchte und Gemüse anbietet. Geschnitten werden die Marroni bis 1998 von Zünfterinnen und Zünftern im Dersbach.
Weitergabe an Cäsar I.
Der 1992 zum Zunftvater erkorene gebürtige Tessiner Cäsar I. Rossi übernimmt den Marronimaa von 1993 bis 1998 und brät die Zunftmarroni am Morgen der Inthronisation. Unterstützt wird er von Hans III. (Ziltener) und Zünfter Hans-Peter Knüsel.
Die Ära Peter Gamma
Peter Gamma, der sich 1998 vom bislang vielbeklatschten Schnitzelbänkler zum eifrigen Eichezünfter wandelt, lässt sich leicht überreden, das ehrenvolle Amt des Marronimaa zu übernehmen. Schnell erweist sich die Wahl als Glücksfall, denn „Pietro“ entpuppt sich als innovativer und überaus ideenreicher Amtsinhaber. Er ersetzt in den ersten drei Jahren seiner Tätigkeit (1999 bis 2001) die Bratpfanne durch eine neue mit Kamin und Originalarmaturen, befasst sich eingehend mit der Kostümierung des Marronimaa und kreiert auf Grundlage eines vom Zunftkünstler Werner Hoffmann geschaffenen Bildes ein Gewand, das den Marronimaa zu einer weiteren markanten Figur innerhalb der Eichezunft erhebt.
Peter Gamma ist während zwölf Jahren, von 1999 bis 2011, als Marronimaa tätig und beteiligt sich gemeinsam mit seiner Crew an der Eichefasnacht. Zu seinem Marronimaa-Team gehören Renate Jauch, Joe und Pia Studer, Renate Kobelt sowie sein Sohn Peter, der während der diversen Umzüge jeweils den mit Marroni dekorierten Suzuki fährt und den Marronimaa-Anhänger zieht.
Seine Ehefrau Anita nimmt selbst nicht aktiv an der Fasnacht teil, unterstützt jedoch ihren Marronimaa, indem sie teilweise die Bekleidung, das Marronimaa-Gewand und die aus Jutestoff bestehenden Caps für die Marronimaa-Crew anfertigt und jährlich die geschnittenen Marroni zu Hause im Backofen vorbrät. Dies ermöglicht eine zügige Abgabe der heissen Marroni an Kinder und Erwachsene an den diversen Umzügen.
Der Marronimaa erhält jeweils wertvolle Unterstützung von Bruno I. Werder und Fränzi der Zünftigen, die ihm einen Anhänger zur Verfügung stellen. Auf diesem kann Peter Gamma die Marronipfanne installieren und bei Umzügen die Zuschauerinnen und Zuschauer mit frischen und heissen Marroni begeistern. Zudem erlauben Bruno und Fränzi dem Marronimaa, während der ganzen Fasnachtszeit seine Fahrhabe in der Scheune im Bösch unterzustellen.
Bunte Fahnenstangen
An der Klausur 2007 beschliesst der Zunftrat, den Dorfplatz fasnächtlich einzukleiden. Wimpel aus Fahnenstoff mit Eichesignet (Eichenlaub, Eichesau) in den vier Zunftfarben sollen den Platz dekorieren. Der damalige erste Zunftmeister Martin Cerletti (Biber) organisiert dazu entsprechende Fahnenmasten aus Holz, die in speziellen Bodenfassungen verankert werden können. Doch Holz wirkt wenig fasnächtlich. Die Marronimaa-Crew unter der Leitung von Peter Gamma zeigt Farbe und bemalt an einigen Samstagen alle Fahnenstangen fasnächtlich bunt.
Rücktritt und Neuanfang
An Fasnachtgsdienstag 2011, als sich die Eichefasnacht bereits dem Ende zuneigt, verkündet der Marronimaa plötzlich: „So, zwölf Johr sind gnueg, ich mag nümä, ich höre jetzt uf.“
Nach einem Jahr Pause beschliesst der Zunftrat, erneut einen neuen Marronimaa einzusetzen. Monique Vogel fragt Martin Brun an, ob er das Amt übernehmen wolle. Begeistert sagt Martin Brun sofort zu, obwohl ihm die Figur zuvor unbekannt ist. In der Folge holt er auch Mauro Bonani ins Boot, der ebenfalls spontan zusagt und ihn unterstützt.
Marronimaa heute

Im Herbst 2012 treten Martin Brun und Mauro Bonani ihr neues Amt an. Im Dezember nutzen sie erstmals den Marroniheizkessel und testen die Zubereitung der heissen Marroni. Am «Sau Auf» 2013 und nach dem Hünenberger Umzug am Güdelzischtig werden die wunderbaren Marroni erstmals wieder auf dem Dorfplatz zubereitet und verteilt.
Da Mauro I. (Bonani) und Jeannette die Strahlende im Jahr 2015 zum Zunftpaar gekürt werden, kann Mauro nur noch am «Sau Auf» beim Marronibraten mithelfen. Am Fasnachtsdienstag ist er mit den Meistern der Zunft unterwegs und geniesst diese Vorzüge.
Deshalb erhält Martin Brun am Fasnachtsdienstag jedes Jahr Unterstützung von seiner Frau Claudia und seinen Kindern. Die ganze Familie Brun brät die Marroni und verteilt sie gemeinsam auf dem Dorfplatz. Für Martin Brun ist es ein schönes Gefühl, Marronimaa zu sein, denn die Besucherinnen und Besucher zeigen sich dankbar und freuen sich über die heissen Marroni.
Diese Seite wurde zuletzt am 25. Juni 2026 geändert.