Kafisüüdi

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Kafisüüdi

Seit den späten 1970er Jahren gehört die Kafisüüdi fest zur Fasnacht der Eichezunft. Was zunächst mit einfachen Thermoskrügen beginnt, entwickelt sich über mehrere Ausbaustufen zu einem technischen Unikat, das bis heute an Umzügen und zahlreichen weiteren Anlässen im Einsatz steht.

Die Kafisüüdi ist längst mehr als nur eine mobile Kaffee- und Schnapsstation. Sie verbindet Fasnacht, Geselligkeit und Handwerkskunst und gehört heute zu den bekanntesten Elementen der Eichezunft.

Die Anfänge

Zu Beginn schenken die Eichenfrauen ab 1977 den Kaffee aus mitgebrachten Thermoskrügen aus. Die eigentliche Geschichte der Kafisüüdi beginnt vermutlich im Jahr 1978 mit der sogenannten Süüdi Nr. 1.

Kafisüüdi

Diese besteht aus einem kupfernen Waschhafen der V-ZUG. Die Idee dahinter ist einfach und wirkungsvoll zugleich: Für die Zuschauenden der Fasnachtsumzüge soll ein Kafi Schnaps gebraut und ausgeschenkt werden. Der Kupferhafen steht auf einem Zweiradanhänger des Hünenberger Bauamts und wird von einem Kleintraktor gezogen.

Ausbau und grössere Kapazität

Mit der steigenden Beliebtheit des Eichekafis wächst auch die Nachfrage. Deshalb entsteht 1981 die Süüdi Nr. 2. Ziel ist eine grössere Kapazität. Die bestehende Anlage wird dafür mit einem zusätzlichen Wasserboiler ergänzt, der gemeinsam mit dem Kupferhafen auf einer Metallplattform montiert wird.

Beheizt wird die Anlage damals wie heute mit Holz aus heimischen Wäldern. Der zusätzliche Boiler wird mittels Schwerkraftzirkulation durch das erhitzte Wasser aus dem Kupferhafen aufgeheizt.

Die heutige Kafisüüdi entsteht

Im Herbst 1987 beginnt die Geschichte der heutigen Kafisüüdi. Nach den Sommerferien werden erste Skizzen erstellt und verschiedenstes Material gesammelt. Schnell zeigt sich, welche zusätzlichen Komponenten für den Bau noch benötigt werden. Da sich die Arbeiten bis in den Winter hineinziehen, entsteht im Böschhof bei Bruno I. und Fränzi die Zünftige eine improvisierte und beheizte Werkstatt. Geheizt wird mit einem geliehenen Warmluftofen. Steigt die Temperatur auf 40 Grad Celsius, muss der Ofen ausgeschaltet werden, bevor kurze Zeit später wieder beinahe Frosttemperaturen herrschen.

Während der gesamten Bauphase gilt strikte Geheimhaltung. Die neue Süüdi soll erst an der Fasnacht 1988 erstmals öffentlich präsentiert werden.

Finanzierung und Unterstützung

Von Anfang an ist klar, dass der Bau erhebliche Kosten verursacht. Die Eichezunft selbst soll jedoch nicht finanziell belastet werden. Deshalb setzt man auf private Unterstützung durch Sponsoren.

Erste Unterstützer finden sich spontan bei einem Abend im Restaurant Degen, als einige EVZ-Fans von den Plänen rund um die neue Süüdi erfahren. Von diesem Moment an entwickelt sich die Finanzierung erfreulich.

Konstruktion und Technik

Da die Kafisüüdi hauptsächlich bei kalter Witterung betrieben wird, müssen sämtliche Behälter mit Dampf beheizt werden können. Beim Bau wird grosser Wert daraufgelegt, nur tatsächlich notwendige Komponenten einzusetzen.

Die Konstruktion erweist sich als äusserst robust. Seit fast vier Jahrzehnten versieht die Maschine zuverlässig ihren Dienst, ohne jemals einen grösseren Defekt aufzuweisen. Im Jahr 2006 erhält die Kafisüüdi aus Sicherheitsgründen eine Doppelachse. Gleichzeitig wird die Anhängevorrichtung ersetzt. Seither ist das Fahrzeug als Sonderfahrzeug beim Strassenverkehrsamt eingelöst und sogar autobahntauglich zugelassen. Der gesamte dokumentierte Arbeitsaufwand für den Bau beträgt rund 1100 Stunden.

Betrieb der Süüdi

Kafisüüdi

Die Kafisüüdi wiegt leer 2040 Kilogramm und voll beladen exakt 3000 Kilogramm. Zu Beginn besteht das Bedienpersonal aus vier Personen mit klar aufgeteilten Aufgaben sowie dem Fahrer des Zugfahrzeugs. Erster Fahrer ist ab 1988 Konrad Scheuber. Die Zugfahrzeuge stammen zunächst von der Firma Agromont, später dürfen Fahrzeuge des Werkdienstes Hünenberg verwendet werden. Diese Praxis besteht bis heute. Da nicht immer alle Süüder gleichzeitig verfügbar sind, wird das Team später auf insgesamt acht Personen inklusive Fahrer erweitert.

Kultstatus bis heute

Kafisüüdi

Aus einer einfachen Idee entsteht über die Jahre ein Fahrzeug mit besonderem Kultstatus. Die Kafisüüdi ist weit über Hünenberg hinaus bekannt und bis heute ein unverwechselbarer Bestandteil der Eichefasnacht.

Mit ihrer Mischung aus Technik, Tradition und Geselligkeit gehört sie bis heute zu den eindrücklichsten Eigenheiten der Eichezunft.

Zahlen und Fakten Zwischen 1988 und 2026 besucht die Kafisüüdi insgesamt 126 Fasnachtsumzüge. Dabei werden unter anderem konsumiert:

  • 3694 Liter Schnaps mit 50 Volumenprozent
  • 1789 Kilogramm Zucker
  • 70,8 Kilogramm Nescafé Gold Deluxe, entsprechend 354 Gläsern à 200 Gramm

Einsätze ausserhalb der Fasnacht

Die Kafisüüdi repräsentiert die Eichezunft nicht nur während der Fasnacht, sondern auch an zahlreichen weiteren Veranstaltungen. Dazu gehören unter anderem:

  • 1989: Fernsehsendung «Diräkt us…» in Wart
  • 1994: Zentralschweizer Schwingfest in Hünenberg
  • 1996: Eidgenössisches Turnfest in Bern
  • 2003: Zentralschweizer Jodlerfest in Unterägeri
  • 2004: Stadtbahnfest Haltestelle Zythus
  • 2006: Ständeratspräsidentenfeier von Peter Bieri
  • 2006: Marché Concours in Saignelégier
  • 2006: Zuger Messe
  • 2008: Eröffnung Altersheim Büel Cham
  • 2012: OLMA in St. Gallen
  • 2019: Eidgenössisches Schwing- und Älplerfest in Zug
  • 2022: ZugFäscht an der Seepromenade

Diese Seite wurde zuletzt am 21. Mai 2026 geändert.

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