Das Jahr ohne Zunftpaar (1997)
Das Jahr 1997 nimmt in der Geschichte der Eiche Zunft Hünenberg eine besondere Stellung ein. Die Fasnacht findet ohne Zunftpaar statt.
Bis heute wird dieses Jahr im Jubiläumsbuch der Eiche Zunft als «Der Amerikanische oder der Vaterlose» bezeichnet. Die Bezeichnung verweist einerseits auf das Fasnachtsthema «America», andererseits auf die aussergewöhnliche Tatsache, dass die Zunft ohne ihre traditionelle Symbolfigur durch die Fasnacht geht.
Vorgeschichte
Die Fasnacht 1996 steht im Zeichen des zwanzigsten Fasnachtsumzuges und des Jubiläums «1000 Wochen Eiche Zunft». Zunftvater Bruno I. und Zunftmutter Franziskadie Zünftige führen die Zunft durch ein erfolgreiches und ereignisreiches Jahr. Der Umzug wird von 39 Gruppen gestaltet und das Jubiläum wird im Dorf gebührend gefeiert.
Für die Fasnacht 1997 bestimmt der Zunftrat bereits einen neuen Zunftvater. Kurz vor der Fasnacht muss dieser jedoch absagen. Die Gründe werden im Jubiläumsbuch nicht genannt. Dadurch entsteht eine Situation, die es bis dahin in der Geschichte der Eiche Zunft noch nicht gegeben hat.
Die Suche nach einer kurzfristigen Lösung erweist sich als schwierig. Schliesslich entscheidet sich der Zunftrat, die Fasnacht ohne Zunftvater und ohne Zunftmutter durchzuführen.
Die Fasnacht 1997
Trotz dieser aussergewöhnlichen Ausgangslage wird die Fasnacht nicht abgesagt oder verkleinert. Im Gegenteil: Die Inthronisation entwickelt sich zu einem der Höhepunkte der damaligen Eiche-Fasnacht.
Unter dem Motto «America» präsentiert die Eiche Zunft eine aufwendige amerikanische Bühnenshow. Die Inszenierung begeistert das Publikum derart, dass das Jubiläumsbuch festhält, die Leute würden von den Sitzen gerissen. Das Thema «America» begleitet die Zunft anschliessend durch die gesamte Fasnachtszeit.
Das Fehlen eines Zunftvaters ist zwar allgegenwärtig, verhindert aber nicht, dass die traditionellen Anlässe durchgeführt werden. Selbst der Umzug findet wie gewohnt statt, obwohl der Fasnachtsdienstag mitten in die Sportferien fällt. Zeitweise wird sogar erwogen, den Umzug als Nachtumzug durchzuführen. Schlussendlich entscheidet man sich jedoch bewusst für die Beibehaltung des traditionellen Datums.
Die Ehrenzünfter sorgen mit ihrer Darstellung der AMI-Klinik für viele Lacher, die geplante Stadtbahn fährt symbolisch bereits nach Hünenberg, und die Cocorico Guggenmusik feiert ihr zehnjähriges Bestehen mit einem grossen und farbenfrohen Auftritt.
Bedeutung für die Eiche Zunft
Rückblickend erzählt das Jahr 1997 viel über das Selbstverständnis der Eiche Zunft. Das Zunftpaar nimmt innerhalb der Zunft traditionell eine zentrale Rolle ein. Es repräsentiert die Fasnacht, steht im Mittelpunkt vieler Anlässe und gibt dem jeweiligen Fasnachtsjahr ein Gesicht. Umso bemerkenswerter ist, dass die Eiche Zunft plötzlich ohne diese Symbolfiguren dasteht.
Gleichzeitig zeigt sich aber auch eine der grossen Stärken der Zunft: Die Fasnacht wird nicht von einer einzelnen Person getragen, sondern von der Gemeinschaft. Zunftrat, Helferinnen und Helfer, Guggenmusiken, Schnitzelbänkler, Ehrenzünfter und viele weitere Beteiligte sorgen gemeinsam dafür, dass die Fasnacht weiterlebt.
Das Jahr ohne Zunftpaar wird damit zu einem praktischen Beispiel für einen Grundgedanken der Eiche Zunft: Die Fasnacht entsteht durch das Mitwirken vieler Menschen. Sie gehört dem Dorf und der Gemeinschaft.
Nachwirkung
Im Jubiläumsbuch «Dasch ä Läbe!» wird das Jahr 1997 nicht als Krisenjahr beschrieben, sondern mit einem gewissen Augenzwinkern als «Der Amerikanische oder der Vaterlose» festgehalten. Diese Formulierung zeigt, wie die Eiche Zunft seit jeher mit unerwarteten Situationen umgeht: mit Kreativität, Humor und der Bereitschaft, auch ungewöhnliche Wege zu gehen.
Bis heute bleibt 1997 ein besonderes Kapitel der Zunftgeschichte. Es erinnert daran, dass Traditionen zwar von Symbolfiguren geprägt werden, die eigentliche Stärke der Eiche Zunft jedoch in ihrer Gemeinschaft liegt.
Diese Seite wurde zuletzt am 28. Juni 2026 geändert.